Traumatische Erlebnisse können so vielfältig sein: Für ein kleines Kind etwa ein Klinikaufenthalt oder Verlust eines Elternteils, für Erwachsene ein Auto-Unfall, ein Überfall oder Kriegsereignisse. Jeder vierte Betroffene trägt lange an den Folgen dieser extrem belastenden seelischen Erfahrungen zum Beispiel als Herzrasen, Panikanfälle, Sucht oder Selbstverletzung. Wer ein Trauma erlebt und erlitten hat, will sich vor allem wieder geborgen fühlen und die quälenden Erinnerungen - sog. Flash-backs - hinter sich lassen.

Doch nicht nur diese extremen Situationen hinterlassen Spuren im Gehirn – auch starke Prüfungsängste, Mobbingsituationen, wiederkehrende oder unbewältigbar scheinende Alltagssituationen können traumatische Reaktionen auslösen, die als solche oft nicht erkannt werden: z.B. Bluthochdruck, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen, Alpträume, Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch, chronische Schmerzzustände….etc.

Oftmals haben Betroffene eine lange Wegstrecke vieler verschiedener Behandlungen und Therapien hinter sich, deren Erfolg nur von kurzer Dauer war.

EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Ist eine Therapieform, die tiefgehend etwas bewegen kann. Die hilft, alte Wunden zu heilen und zwar dauerhaft. Ein wissenschaftliches anerkanntes Verfahren zur Trauma Behandlung und ist in der Lage auch lange zurückliegende Erlebnisse abzuschließen und wieder gesund zu werden. könnte Ihnen eine Hilfe sein, aus diesem, scheinbar nie endenden Kreislauf auszubrechen.

Für wen ist EMDR geeignet?

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wurde in den 80er Jahren von Francine Shapiro als traumazentrierte Psychotherapie entwickelt. Heute wird die Methode zur Behandlung von verschiedenen psychischen Erkrankungen angewendet. Oft findet sie Einsatz bei akuten Monotraumata wie Unfällen, Gewalterfahrungen, Vergewaltigungen etc., als auch bei traumatischen Erlebnissen, die bereits einige Jahre zurückliegen. Oft ist dem Patienten auch gar nicht bewusst, dass er an einer Traumatisierung leidet, durch EMDR kann die wahre Ursache seiner Erkrankung gefunden werden.

Seit einigen Jahren wird EMDR auch im Coaching angewendet. Bei der Traumabearbeitung ist es wichtig darauf zu achten, dass Betroffene ausreichend stabilisiert sind, um sich mit den Erinnerungen und den dazugehörigen Beschwerden (PTBS, Akute Stressreaktion) konfrontieren zu können. Eine zu früh begonnene und nicht ausreichend professionell durchgeführte Konfrontation kann zu einer Retraumatisierung führen.

Wie wird bei EMDR vorgegangen?

Die EMDR - Behandlung ist gegliedert in acht Phasen, in denen Psychoedukation, Stabilisierungsverfahren, sowie Desensibilisierung und Durcharbeitung eine bedeutende Rolle spielen. Der Betroffene konzentriert sich zunächst auf das traumatische Erlebnis. Dann wird er vom Therapeuten gebeten dessen Handbewegungen von rechts nach links mit den Augen zu folgen, wahlweise können auch akustische oder taktile Reize, z.B. Fingerschnippen, oder rechts links Tapping, hinzugenommen werden. Dies wird solange wiederholt, bis der Klient die traumatische Erinnerung als nicht mehr so belastend empfindet.

Wie wirkt EMDR (Wirkfaktoren)?

Durch das Folgen der Handbewegungen mit den Augen soll eine abwechselnde Stimulation beider Gehirnhälften erreicht werden. Man geht davon aus, dass EMDR über diese abwechselnde Stimulation funktioniert. Dies scheint einleuchtend, da Emotionen vorwiegend in der rechten Hemisphäre und logische Zusammenhänge sowie Sprache vorwiegend in der linken Hemisphäre verarbeitet werden. Bei Traumatisierungen ist oft gerade die Weiterleitung und Verarbeitung der Emotionen blockiert. Durch die abwechselnde Stimulation scheint EMDR eben diese Weiterleitung und Verarbeitung im Gehirn unterstützen zu können. Oft ist es so, dass Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, "die Sprache fehlt", um ihre Gefühle und Erlebnisse adäquat ausdrücken zu können. Somit ist die Aktivität im Sprachzentrum meist sehr gering. Nach einer EMDR - Behandlung steigt die Aktivität deutlich an und viele Betroffene haben so auch die Möglichkeit erstmals passende Worte für das Erlebte zu finden.

Ziel ist die Synchronisation der beiden Gehirnhälften. Jedoch scheint der genaue Wirkmechanismus noch nicht ganz klar zu sein.

Ist EMDR wirksam (Evaluation)?

Obwohl EMDR in der Therapie heute oft und durchaus erfolgreich eingesetzt wird, scheint es noch immer Differenzen in der wissenschaftlichen Anerkennung dieser Therapieform zu geben. Laut Gutachten des wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie, § 11 PsychThG vom 6. Juli 2006, kann EMDR bei Erwachsenen mittlerweile als Methode zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung als wissenschaftlich anerkannt gelten.